10 überraschende Fakten über Oktopusse
Oktopusse gehören zu den faszinierendsten Tieren der Erde. Sie wirken gleichzeitig vertraut und völlig fremdartig: intelligent, neugierig, anpassungsfähig – aber biologisch so ungewöhnlich, dass manche Wissenschaftler sie als „alienartig“ beschreiben.
Hier sind zehn wissenschaftlich belegte Fakten, die zeigen, warum Oktopusse selbst Forscher immer wieder überraschen.
Krabbe und Oktopus
1. Oktopusse haben drei Herzen
Ja, wirklich.
Zwei Herzen pumpen Blut durch die Kiemen
Ein drittes versorgt den restlichen Körper mit Sauerstoff
Besonders erstaunlich: Wenn ein Oktopus schwimmt, hört das zentrale Herz zeitweise auf zu schlagen. Deshalb kriechen viele Oktopusse lieber über den Meeresboden, statt dauerhaft zu schwimmen. (Smithsonian Magazin)
2. Ihr Blut ist blau
Menschen transportieren Sauerstoff mit eisenhaltigem Hämoglobin. Oktopusse nutzen stattdessen Hemocyanin, ein kupferhaltiges Protein.
Dadurch erscheint ihr Blut blau.
Das hat einen Vorteil: Hemocyanin funktioniert besonders gut in kaltem, sauerstoffarmem Wasser – ideal für das Leben in der Tiefsee. (Smithsonian Magazin)
3. Zwei Drittel ihrer Nervenzellen liegen in den Armen
Das Nervensystem eines Oktopus funktioniert völlig anders als unseres.
Etwa zwei Drittel ihrer Neuronen befinden sich nicht im Gehirn, sondern in den Armen. Dadurch können Arme:
eigenständig reagieren
Objekte untersuchen
Bewegungen koordinieren
Forscher sprechen deshalb manchmal von einer Art „Dezentraler Intelligenz“. (Smithsonian Magazin)
4. Sie können mit ihren Armen schmecken
Die Saugnäpfe eines Oktopus dienen nicht nur zum Greifen.
Sie enthalten chemische Rezeptoren, mit denen die Tiere ihre Umgebung „erschmecken“ können. Ein Oktopus kann also gleichzeitig
fühlen
greifen
und schmecken
… mit demselben Arm. (Ocean Action Hub)
5. Sie passen durch winzige Öffnungen
Oktopusse besitzen keine Knochen. Das einzige harte Körperteil ist ihr Schnabel.
Das bedeutet: Wenn der Schnabel durch eine Öffnung passt, passt meist der gesamte Körper hindurch.
Dadurch können Oktopusse:
aus Aquarien entkommen
durch extrem kleine Spalten kriechen
sich nahezu „flüssig“ bewegen
Diese Fähigkeit macht sie zu berühmten Ausbruchskünstlern. (Ocean Action Hub)
6. Oktopusse benutzen Werkzeuge
Lange galt Werkzeuggebrauch als etwas, das hauptsächlich Primaten oder Vögel tun.
Doch Oktopusse wurden dabei beobachtet, wie sie:
Kokosnussschalen transportieren
diese später als Schutz nutzen
Objekte gezielt manipulieren
Das gilt als Hinweis auf komplexes Problemlösungsverhalten. (Smithsonian Magazin)
7. Sie verändern nicht nur ihre Farbe – sondern auch ihre Hautstruktur
Die Tarnung von Oktopussen geht weit über Farbe hinaus.
Sie können:
Muster verändern
ihre Haut strukturieren
und dadurch Felsen, Korallen oder Sand erstaunlich präzise imitieren
Möglich machen das spezialisierte Hautzellen, sogenannte Chromatophoren. Manche Arten verändern ihr Aussehen innerhalb von Sekundenbruchteilen. (bbcearth.com)
8. Oktopusse schlafen möglicherweise ähnlich wie wir träumen
2023 veröffentlichten Forscher in Nature Hinweise auf REM-ähnliche Schlafphasen bei Oktopussen.
Während dieser Phasen:
verändern die Tiere schnell ihre Hautmuster
bewegen Augen und Arme
zeigen erhöhte neuronale Aktivität
Das bedeutet nicht automatisch, dass Oktopusse „träumen“ wie Menschen. Aber ihre Schlafphasen sind deutlich komplexer, als man lange angenommen hatte. (Nature)
9. Oktopusse sind erstaunlich intelligent
In Experimenten konnten Oktopusse:
Schraubgläser öffnen
Labyrinthe lösen
sich Lösungen merken
einzelne Menschen unterscheiden
Sie zeigen außerdem Neugier und individuelles Verhalten.
Für wirbellose Tiere ist das außergewöhnlich – und einer der Gründe, warum Wissenschaftler ihre Empfindungsfähigkeit intensiv diskutieren. (Smithsonian Magazin)
10. Oktopus-Mütter opfern sich für ihren Nachwuchs
Nach der Eiablage bewachen viele Weibchen ihre Eier wochen- oder monatelang.
Sie:
reinigen die Eier ständig
versorgen sie mit Sauerstoff
verteidigen sie gegen Gefahren
Viele Weibchen hören in dieser Zeit vollständig auf zu fressen und sterben kurz nach dem Schlüpfen der Jungtiere. (PBS)
Fazit
Oktopusse sind keine „einfachen Meerestiere“.
Sie besitzen:
komplexe Nervensysteme
bemerkenswerte Problemlösungsfähigkeiten
außergewöhnliche Anpassungen
und Verhaltensweisen, die selbst erfahrene Wissenschaftler überraschen
Vielleicht faszinieren sie uns deshalb so sehr: Weil sie zeigen, dass Intelligenz und komplexes Verhalten auf völlig andere Weise entstehen können als beim Menschen.
Und genau das macht die Frage relevant, wie wir mit diesen Tieren umgehen.